Dass die Pumpkins zurück sind, konnte man seit der neuen Single “Tarantula” hören, aber so richtig fühlen war noch nicht. Ein Lied von einem Album macht noch keine Band, und einige vernebelt klingende Konzertberichte aus Paris machten die Botschaft noch nicht spürbar. Deshalb kann ich auch jeden verstehen, der sich die Frage stellt, ob es jetzt bloss eine Pumpkins-Coverband mit Original Sänger und Drummer ist, ZWAN mit neuer Instrumentalisierung und alten Pumpkins-Songs oder dann doch die “echte” Kürbistruppe.
Sicher, ohne Jammes und D’arcy wird es nie wieder das gleiche sein, aber Jeff Schroeder (Gitarre) and Ginger Reyes (Bass) machen einen verdammt guten Job. Und verstehen sich mit Billy und er sich mit ihnen. Aber vielleicht sollte ich die Geschichte von Anfang an erzählen.
Es ist ja jetzt schon wieder einige Tage her, daß ich Built To Spill und Kate Mosh im Postbahnhof gesehen habe, daher nur einige kleine Impressionen:
Kate Mosh klingen wie die kleinen Brüder von The Notwist, nur daß sie nicht an die Computer dürfen und etwas wilder sind. Und sie waren anfangs extrem verunsichert, haben sich dann aber gemacht. Das war so Kopfhörermusik, vorm Einschlafen weiche Indiemelodien mit vielen Ausbrechern ins Rockige, insgesamt war’s aber schön, ich werde da auf jeden Fall dranbleiben.
Ja, und dann Built To Spill. Man muß wissen, daß dieses Konzerterlebnis ein Geburtstagsgeschenk meines besten Freundes war, der meinem Musikgeschmack bisher immer getraut hat. Das wird sich nun wohl ändern … Die “You In Reverse”, das letzte Studioalbum von BTS hatte ihm ja schon nicht so zugesagt, aber als Freund ist man da schmerzfrei, schließlich: Versprochen ist versprochen. Ihm schwante allerdings schon Übles, als die Herren die Bühne betraten: “Die sehen alle aus, als hätten sie kein Zuhause” - na, und so haben sie denn auch gespielt, so, als hätten sie keine Heimat in die es sich lohnen würde zurückzukehren. KeinSongunter7 Minuten! Keiner!
Jetzt drücke ich mich schon seit Tagen vor einer kleinen Rezension, weil ich immer noch nicht weiss, was ich drüber schreiben soll.
Die Musik war großartig, ich habe noch mehr getanzt als beim letzten Mal, meine Stimmung war anfangs gut, in der Mitte schlecht, dann wiederganz oben. Und dann war es vorbei. Für 12 Euro. Ohne Support. Ohne so tolle Bühnenshow wie beim letzten Mal.
Ich glaube fast, die beiden Jungs sind begeisterter und überwältigter als ich (und so manch anderer) nach Hause gegangen, es sei ihnen aber gegönnt. Ich hoffe nur, dass das Publikum es ihnen das nächste Mal nicht so einfach macht.
Auf Anregung und in Begleitung der norwegenerfahrenen Anne war ich gestern bei einer Musikgruppe, deren Mastermind und Frontmann aus Georgia (USA) kommt: Of Montreal haben im Lido (Berlin) gespielt.
Während Of Montreal auf Platte mir ja schnell mal etwas zu Quietsche-Pop sind, wurde gestern breitestes Crossover veranstaltet.
Irgendwie schräg, dass ich mit einer Frau auf dem Konzert war, die nach Musik sucht, die nicht schon tausend andere gemacht haben und mir hier gleich wieder nur Vergleiche mit anderen Bands einfallen. Allerdings, der Mix von Of Montreal klingt frisch.
Poppige Refrains und visuelle Spielereinen erinnerten an die Beatles, hätten sie die Tschernobyl-Erfahrung noch in ihren Werken verarbeitet.
Drumherum gabs mal grundständigen RocknRoll, mal Punk, mal Reggae, oft aber ziemlich viel David Bowie. Gern auch The Cure, seltener und dann meist wegen des Gesangs von Kevin Barnes auch The Clash. Beim letzten Song des Abends kam dann auch noch eine Prise Bombastrockgewimmer.
Derlei Zitate aus Musikrichtungen, deren Fans sich historisch gern mal auf die Fresse gaben, wechselten dabei gern auch mitten im Lied ab und wurden meist zusammengehalten durch Synthiegefrickel und Elektrobeats. Dargeboten wurde dieser recht englische Sound von einer souveränen aber nur teilweise euphorischen Band aus den vereinigten Staaten von Amerika, die in ihren Kostümchen irgendwo zwischen Sgt. Pepper, Loveparade und Schultheaterrequisite auf schräge Vögel machten. Obligatorisch für einen Sänger aus Athens, Georgia, natürlich die große Prise Androgynität. Zwar nicht so sexy wie Michael Stipe, dafür etwas mehr Transenoutfit. Also an alles gedacht, was cordsakkotragende bärtige Sambabesitzer und Playmobilfrisuren mit Nickipullovern so mögen.
würde ich gerne brechen, insbesondere wenn daily ivy: “Queen & Paul Rodgers ist Englands Antwort auf De Bläck Fööss mit Kafi Biermann.” schreibt.
Der Vergleich ist schon nahe dran und auch ich habe bei 3sat ausgeschaltet, aber live funktionierte die Blendung relativ gut.
Ich habe damals ein gutes Konzert einer Queen Coverband gesehen, inclusive der peinlicher Solonummern von Roger Taylor und Brian May, dessen Red Special, für £17.50, mich damals für Rockmusik gewann. Der spezifische Klang berührt mich noch immer und löst in mir warme Gefühle aus.
Das Konzert konnte also nicht schlecht werden. Auf einmal die alten Herren in zu engen Hosen, mit weißen Walla-walla-Hemden im Fernsehen zu sehen, war wahrlich nicht schön.
Ich bleibe lieber bei der akustischen Queen und höre mir jetzt ein paar Galilieos an und gedenke Freddie mit Simone Borowiaks Nekrolog “Hessen nimmt Abschied von Freddie Mercury”:
Nein, das ist nicht meine Lebenseinstellung (oder doch?), sondern eines der Konzerte, an die ich mich seltsamerweise am liebsten erinnere.
Konzert- und sonstige Rezensionen sind ja sehr beliebt in der kleinen gemütlichen Blogosphäre, da will ich jetzt auch mal. Stört ja auch keinen, daß dieser Abend nun schon 10 Jahre zurückliegt, nicht wahr?
Der Spaß begann mit dem Kartenkauf. Wenn man im Kaufhof am Alex an der Theaterkasse laut und deutlich sagt: “Einmal Pro-Pain, bitte!” erntet man irritierte Blicke. Mit “Ham’wa nich.” lasse ich mich natürlich nicht abwimmeln, da müssen Fakten her: Wann, Wo, Wie teuer - geht doch! Also Karte gekauft. Ich schaue gerade wehmütig auf mein Ticket, ich hab’s nämlich noch: 17 Mark, kaum zu glauben, das waren noch Zeiten. Übrigens war das die Tour zum 96er Album “Contents Under Pressure”.
Daß das Konzert in der Woche stattfand, ich am nächsten Tag eine wichtige Klausur hatte (im Nachhinein erscheint es mir, als hätte ich nach jedem Konzert eine Klausur gehabt - und diese dann immer grandios verpennt oder versemmelt, aber ich war ja sowieso eine Fehlbesetzung auf unserem naturwissenschaftlichen Gymnasium, ich Mathe- und Physikniete), hat mich nicht im geringsten gestört. Jetzt ist das Leben! Gilt übrigens immer noch.