So, nun also mit etwas Verspätung meine Eindrücke vom Placebo Konzert:
- ganz schön voll die Jahrhunderhalle. Mehr Leute als bei Morrissey neulich.
- Vorgruppe (Howling Bells? nie gehört) ist ganz nett, aber da ich erst zum vorletzten Song in der Halle bin, kann ich nicht wirklich was dazu sagen. Spontane Assoziation: Fau mit PJ Harvey-artigen Gesangszwiebeln und jungemänner-Rockband hintendran. Wie gesagt, ganz nett.
- Halbe Stunde Umbaupause/Warten auf die Band saugt, wenn die Bühne eigentlich so gut wie garnicht umgebaut wird. Der Typ hinter mir stinkt nach Schweiss.
- Punkt neun Uhr: Licht aus, Band an. Konzert startet, ich sehe leider nur die Hinterköpfe von zwei völlig unbewegt dastehenden 2-Meter Kerlen etwas weiter vor mir. Ich shifte meine Position ein wenig, sehe jetzt immerhin den Herrn Olsdal. Den Herrn Molko kann ich nur erahnen, der muss da sein, wo das helle Licht hinleuchtet. Die Sichtsituation wird sich im Laufe des Konzertes verbessern, durch mehrfache Platzänderung, nervt mich aber im Moment kollosal. Genauso wie die beiden kleinen dicken Frauen vor mir, die sich die ganze Zeit unterhalten, und später bei den Hits auf einmal grösste Fans sind.
- Sound: Erstaunlich klar und gut. Die Gitarren sind zunächst etwas leise, der Bass sehr präsent, vor allem, wenn er vom Tourband-Basser gespielt wird.
Scheiss Name, aber leider das beste Konzert auf dem ich dieses Jahr war. Punkt.
Da werden sich Placebo am Donnerstag verdammt anstrengen müssen, um diesen Eindruck zu toppen.
Leute, wenn diese Band irgendwo in Eurer Nähe spielt - geht hin. Lasst alles andere stehen, sagt alle anderen Termine ab, verschiebt sie oder lasst Euch verleugnen - aber schaut Euch diese Band an.
Ich prophezeie: Die werden G.R.O.S.S.
Ich werde in ein paar Jahren gefragt werden, ob die tatsächlich mal im Nachtleben vor geschätzten 250 Leuten gespielt haben. Und werde positiv antworten und mich dann alt fühlen. Scheiss drauf. Ich werde davon erzählen, dass der Schlagzeuger vor dem Konzert draussen im Café am Tisch nebenan sass und in sein Notizbuch schrieb und dass er nach dem Konzert völlig erledigt, gewandet wie ein Banker oder Zeuge Jehovas, mit einem Saftschubsenttrageköfferchen Richtung Tourbus an uns vorbei eierte, kurz darauf zurückkam und sich wieder an einen der Cafétische setzte - direkt neben uns. Dass er und die Band kurz zuvor das Nachtleben so dermassen gerockt haben ohne Rock zu spielen, wie ich es selten zuvor erlebt habe. Dass ich völlig beeindruckt von der Spiel- und Turnfreude der gesamten Band war. Dass der Sänger zwar irgendwie aussieht wie Sean Penn, aber trotzdem rockt wie Sau. Dass die ganze Band besser Schlagzeug spielen kann, als so mancher Schlagzeuger, mit dem ich bislang das Vergnügen hatte. Dass ich das ganze Konzert über ein dickes Grinsen im Gesicht hatte. Dass die Band so verdammt tight gespielt und dabei gegrooved hat wie sonstwas, dass der Schlagzeuger in einer Tour Breaks und Fills spielte, die andere in einem Set vielleicht ein- oder zweimal unterbringen - all das und noch viel mehr werde ich erzählen, und meine Augen werden Leuchten mit dem guten Gefühl dabei gewesen zu sein.
zuerst veröffentlicht unter dem Titel Heimkehrer (auch eine Fortsetzung des “Peral Jam”-Berichtes)
Das Hurricane hinterläßt mindestens drei Grinsebärchen in der Republik (René, die Kleine, mich) und ein Leuchtebärchen: Malcolm, wie geht’s dem Sonnenbrand? Oh, nicht zu vergessen, das Hackebärchen! Dennis, lebst Du noch?
Zurück zur Musik:
Pearl Jam sind immer eine Bank, egal wie mies die Rahmenbedingungen sind, so daß mein Fazit des Konzertes am Donnerstag nur lauten kann: Es hat sich gelohnt! Haltet mich für bekloppt, aber jedes Konzert dieser Band ist so einzigartig und überwältigend toll, daß man geradezu süchtig werden kann nach diesem Gefühl. Die Setlist war großartig, für die Kenner: Sad, Breath, State of Love and Trust, I am Mine, Insignificance … als ich nach dem Konzert mit anderen Fans gesprochen habe (die, so mein Eindruck, irgendwie alle letztes Jahr in Berlin auf dem Konzert waren, ich habe mitgezählt: Mindestens 47 Leute, mit denen ich gesprochen habe, waren letztes Jahr in Berlin!), waren letztlich doch alle begeistert.
Ganz ganz kurz habe ich dann sogar noch die Organisatorin meiner Mitfahrgelegenheit nach Scheeßel getroffen, die Gute war völlig aufgelöst, weil Treffen nach Konzerten eigentlich immer schiefgehen, schade, dabei hätte ich die anderen Buggers und Jammers doch so gern kennengelernt. Das restliche Socialising hat aber ganz gut funktioniert:
Ich bin wieder sauber. Und ausgeschlafen. Das Southside ist vorbei, seit gestern Abend bin ich wieder daheim. Aber alles von Anfang an.
Donnerstag, 21. Juni 2007, 15:30: Mit etwas Verspätung gehts los. Und mit viel mehr, durch Stau verursachte, Verspätung kommen wir um halb 11 endlich in Neuhausen an. Ein Zeltplatz 1 Minute zum Haupteingang entfernt wird auch gefunden.
Der Freitag beginnt Festival-typisch. Das heißt Bier zum Frühstück, Essen aus der Dose. Die erste Band sind die manischen Straßenprediger aus Wales. Und die sind Live langweilig. Ausgezahlt hat es sich trotzdem, denn so sind wir bei Incubus vorne im Wellenbrecher, und dort wird so richtig gerockt. Stehen kann man nicht mehr, man klemmt nur mehr zwischen seinen Nachbarn. Danach sind unsere Mädels auch am Festival eingetroffen und man wirft noch einen kurzen Blick auf den Herrn Manson. Der singt falsch und ist überhaupt nicht aufregend.

Pro-Pain war saugeil, definitiv eines der besten Konzerte, die ich in letzter Zeit gesehen hab. Haus war voll und wir standen etwa 20cm vor der Bühne.

Pause gabs keine zwischen den Liedern. Die doch schon etwas älteren Herren haben glaub ich net mal Luft geholt… außer zwischen den Zugaben.
Gelungener Abend, auch wenn nachher um 4 wieder der Wecker klingelt. Die Vorgruppe aus Darmstadt - Casketnail - war auch ziemlich gut.
Mehr Bilder gibts hier.
[hab mich grad neu angemeldet. Schönen Gruß aus Frankfurt.]
zuerst veröffentlicht unter dem Titel Peral Jam am Do., 21. Juni in Düsseldorf
Auf einem Zettel irgendwo an der Halle stand „Peral Jam“ – nur ein Tippfehler, aber so bezeichnend für den ganzen Abend.
Ich war gegen dreiviertel fünf in Düsseldorf angekommen, hatte vom Bus aus nach billig aussehenden Pensionen geschaut und bin gleich am Haptbahnhof in der ersten abgestiegen. 25 Euro für ein Einzelzimmer, welches sich dann doch als Doppelzimmer entpuppte. Toilette und Dusche für fünf Zimmer eine halbe Treppe tiefer, egal. Nicht egal war mir der Geruch, aber mit konsquenter Lüftung, das heißt: Fenster weit auf, um fünf zum Konzert losfahren und nach der Rückkehr gegen drei Uhr nachts wieder anklappen, ging es dann. Immerhin war das Waschbecken tief genug, um sich darin die Haare zu waschen und der Spiegel so angebracht, daß ich doch glatt noch meine Augen und die Stirn naaaa, Zehenspitzen, ja, Nase, aua, Zehenspitzen, so groß bin ich nicht – was soll denn bitte sowas? Nur geeignet für Menschen ab einem Meter achtzig Körpergröße. Aber: Egal.
(Tag 1, Tag 2)
Morgens besahen wir unsere Schuhe, deren einer mir fast - aber nur FAST! - im Hurricanlichen Schlamm höchstselbst steckenblieb. Ich hielt ihn grade noch mit einem kleinen Zeh fest und schlappte sodann mit einem halbangezogenen Schuh ein paar Meter zum nächsten trockenen Stück Land, wo ich in wieder über den Fuß streifte und dabei feststellte, dass der Schlamm seinen Weg ins Schuhinnere gefunden hatte. Und morgens besah man sich die braune Pracht, die früher mal ein Paar weiße Sneaker darstellten. Nicht schön, aber scheiß drauf.
(Teil 1, Teil 3)
Als die Queens of the Stone Age den ersten Tag des Hurricane Festivals beendeten war es circa 1:30 Uhr, unsere Sachen lagerten rund 30 Kilometer entfernt in einem Hotel und wir wateten mit 50000 Menschen durch den Schlamm, auf die Straße, zur Hauptstraße - ein Weg von immerhin einer halben Stunde - wo bestellte Taxis auf- und abfuhren und für uns keines anhielt. Schließlich kamen wir auf die Idee unseren persönlichen Taxidriver anzurufen, der zu diesem Zeitpunkt in Bremen weilte, was sich für uns erstmal derbe weit entfernt anhörte, tatsächlich aber stand er mitsammt Taxi 20 Minuten nach Anruf vor uns. Und wärend dieser 20 Minuten kam uns eine Idee:
„Moment mal, hat der nicht vorhin gesagt, er habe Zimmer zu vermieten, oder?“
„Yep.“
„Warum stornieren wir nicht das Zimmer im 98 Kilometer entfernten Rotenburg und quartieren uns bei dem ein?“
„Noch heute Nacht?“
„Wenn er das mitmacht…“
„…dann schreiben wir denen einen Zettel…“
„…’Notfall +++ stop +++ Müssen abreisen +++ stop +++ Hier ein Fuffi und danke fürs Gepäckunterstellen +++ stop’ oder so ähnlich…“
„…genau!“
Also fläzten wir uns auf die Rückbank, dankten irgendwem für die neue bremer Gemütlichkeit und fragten Mr. Taxidriver: „Sagen Sie mal, lieber Mann, Sie meinten doch vorhin, sie hätten Zimmer zu vergeben?“
„Ja“ meinte da der Taxifahrer, „ich hätte da noch Zimmer zu vergeben.“
„Meinen Sie, wir könnten eins davon, äh… quasi… so… jetzt beziehen?“
„Jetzt?“
„Jetzt!“
„Ja na klar, ich ruf grade meine Frau an, die soll Euch die Betten herrichten..“
(Tag 2, Tag 3)
Von einer Tageskarte beim Rock am Ring, wo Prodigy in Pelzmänteln sowas von sich selbst gelangweilt waren und die Smashing Pumpkins kurz vor der Auflösung lediglich Songs aus ihrem Spätwerk spielten, irgendwann Ende der Neunziger einmal abgsehen war das Hurricane 2007 tatsächlich mein erstes Festival mit so richtgig Matsch und Regen und Rock über drei Tage und so. Die Loveparades 93 bis 97 und die ganzen Raves dazwischen waren doch irgendwie was anderes, denn dort bleibt einem wenigstens der Schuh nicht im Schlamm stecken. Was hamwa gelacht.
Als Madame Paradise endlich, nachdem ich geschlagene zwei Stunden am Bahnhof Scheeßel rumgewartet hatte (zwei Stunden in denen ich einem volltrunkenen Ü30-Emo mit stilechtem Lidschatten zwei Biere abgekauft hatte, die ihm beim Sturz auf den Asphalt aus den Tüten gekullert waren), ankam, fuhren wir zunächst mit einem Taxi ins nahegelegene in der Nähe gelegene in der Gegend befindliche ziemlich weit entfernten Hotel in Rotenburg, wo wir gedachten, vor und nach den Konzerten die Beine baumeln zu lassen. Und so fuhren wir mit einem Taxi eine ganze halbe Stunde zwanzig Kilometer durch die Prärie und verabschiedeten uns so langsam von dem Gedanken, diese Strecke mit dem Fahrrad bewältigen zu können. Vor allem nachts, voll mit Schlamm, naß bis auf die Haut und zum Umfallen fertig und wir fragten uns, wie zum Teufel wir jeden Tag 60 Euro für Taxifahrten herbekommen sollten, denn die waren nicht eingeplant. Doch die Macht sollte mit uns sein.
Ich könnte jetzt von dem Zitterkampf vor dem Mousonturm erzählen, und dem Herzrasen nachdem ich doch noch eine Karte bekommen habe, von dem nicht sehr überzeugenden ersten Support Act, und dem supergeilen Beatboxer, von den blöden Security Leuten, die beim Blick in meine Tasche die Kamera nicht entdeckten, und wegen denen ich mittem im Konzert nochmal raus ebenjene einchecken gehen musste, von dem ewigen rumgestehe in der vollen Halle bei schweisstreibenden Temperaturen, und dem viel zu bewegungsunlustigen Publikum, aber eigentlich braucht man nur zu sagen, dass es wirklich ganz ganz toll war.

Mirjam Weichselbraun sieht toll aus wie immer, Markus Kavka schaut immer etwas belämmert, gibt aber trotzdem hin und wieder kluge Sachen von sich. Und über Linkin Park muss ich nix sagen, oder?
Die Pumpkins gestern waren ja gebrandet. Trugen Superheldenkostüme in den Farben (eigentlich: Weiß und Schwarz sind keine Farben sondern die vollkommene ab- bzw. anwesenheit von Farben) des Covers vom neuen Album und, naja, spielten halt.
Und Linkin Park nehmen sich viel zu ernst, dieser tierisch ernste Sänger geht mir mächtig auf den Saque. Ich hol mir mal ein Bier und freu mich auf die Ärzte.
Ich glaube, wenn man den Sänger von LP mit einer Nadel anpiekst, dann platzt er. Der Gitarrist sieht übrigens Chewbacca sehr sehr ähnlich.
Oh je. Meine Füße wippen im Takt. Verdammt.