da ich ein netter mensch bin werde ich die vorband wagdog, oder wie sie auch immer hießen, die gestern den abend für beth und co. von the gossip eröffnete, jetzt nicht in der luft zerreißen und mich über ihre flachen und viel zu häufigen tempowechsel aufregen.mal ganz abgesehen von dem äßerst schräge gesang.
als beth dann die bühne betrat war das schocken (man kann sich eines kleines, vielleicht 60qm großes loch vorstellen) bis an die decke gefüllt mit schwitzenden indie people. ausverkauft. es war eng, es war heiß. und in genau diese stimmung schreit beth dann mit ihrem wuchtigen und überaus voluminösen organ. die energie dieser frau macht alles an dieser band aus. sie covert aaliyah, fordert whiskey und genießt es mehrmals quer durch den raum und das publikum zu rocken. immer wieder versuchte sie deutsch zu sprechen und stimmte nach einer weile auch ein, mir und auch leonie, unbekanntes deutsches kinderlied an. milsch und fleish.
Tanz das Jeans Team
Ich möchte beim Jeans Team sein. Und da war ich auch. Die Herrn spielten anlässlich des 9to5-Festivalcamp auf. Irgendwo zwischen Kraftwerk, NDW und Punk ist ihr Elektro-Industrial-Pop-Punk angesiedelt und am Ende segeln sie ihr Schiff gar auf einem Akkustik-Set in den Hafen rein.
Hart und sauber treffen die Synthie- und Computersounds. Digital ist clean, es braucht eine Kleinigkeit, bis die Dekonstruktion des Sounds greift und die exakten Beats durch die Bearbeitung der Gerätschaften zu rocken beginnen, dann aber rocken sie richtig und das Volk tanzt. Es werden die Parolen geschrien, sich an der Technik abgearbeitet und dabei das ein oder andere Lob auf die Faulheit und ewiges Urlauben gefordert oder die Königin der Nacht herbeigerufen. So transferiert sich DAF ins nächste Millenium, so ist Trio mit weniger Dada und auf Techno. Oder so.
Auf jeden Fall aber zucken die Glieder und die Halle hüpft. Mitreissend, was Jeans Team hier veranstalten. Auch das im Radio so nach frohem Pfadfinderfolk klingende großartige “Zelt” (Kein Gott, kein Staat, keine Arbeit) wird in der elektrischen Verhärtung zur tanzbaren Kampfansage.
Besonders schön ist dabei, dass Jeans Team mit ihrem auf die Synthies und Drumcomputer Draufhauen und den an die alte Industrialisierung des Lebens gemahnenden Kraftwerksound einen Abreitsbegriff heroisieren (und so latürnich ironisieren), der ja gerade von der digitalen Bohème (die ja so nicht mehr heißen will) abgeschafft werden soll. Besonders schön zu sehen war das beim großartigen “Oh Bauer”, hier als Video:
Ist digital besser?
Als ich damals in den 1990ern Tocotronic entdeckte, fand ich das desaströse Geschraddel und die schlecht gesungenen Wuttexte großartig. Aber ich glaube auch, dass es richtig war, dass Dirk von Lotzow mittlerweile an seinem Vortrag gearbeitet hat. Geschraddel mag ich immer noch.
Wenn dazu aber die schnoddrig-kritischen Texte aber nicht wütend sondern irgendwie scheinbar gelangweilt und das Ganze auch noch lange Zeit in viel zu sehr gebremstem Midtempo daherkommen, dann ist das schade. Vor allem wenn sich trotz allem schöne Harmonien, eingängig gefühlige Melodien und energiegeladenes Drumming dazu gesellen.
Und so fand ich das Britta-Konzert beim 9to5 in der Nacht auf Samstag auch lange befremdlich. Anfangs war auch der Sound komisch. Wenn die Band schon in der Ankündigung aufgrund ihrer Texte empfohlen wird, sollten die halt auch verständlich sein. Das zum “Wir nennen es Arbeit”-Klassentreffen eigentlich passende “Wer wird Millionär” (Studioversion)ging dann leider irgendwie im Klangbrei und wohl auch der Launigkeit von Britta-Sängerin Christiane Rösinger unter. Sie kann das deutlich besser. Und das wurde es zu Ende dann auch noch. Der alte “DJ Holzbank” kam richtig gut. Mussten sich wohl warmspielen. Dumm nur, dass das Konzert zeitlich begrenzt war.
Erstmal zum Musikalischen:
Die Mad Caddies verstehen was von ihrem Handwerk. Solider ehrlicher SkaPunk, der Spaß macht und das Mittanzen praktisch erzwingt. Von backyard bis riding for a fall waren fast ausschließlich gute Lieder auf der Playlist und das schafft nicht jede Band.
Der Sound war zwar etwas zu laut, aber angenehm gemischt und deshalb durchaus ok. Schade war hingegen, dass es im Hirsch heftig voll war und die Luft entsprechend “dick”. Naja, war halt ein Konzert und da kann man sowas erwarten.
Nun zum non-Musikalischen:
Was man hingegen nicht erwarten muss, ist dass man bei einem angekündigten Einlass um 19:30 Uhr eine geschlagene Stunde später immer noch vor der Tür stehen muss und dafür nicht einmal einen Grund gesagt bekommt. Nun war das Wetter zum Glück gut, denn bei Regen hätten ein Großeil der wartenden Leute wohl auf das Konzert verzichtet.
Als man gegen 20:30 Uhr dann eintreten konnte, war das Warten aber noch lange nicht vorbei. Die Vorband (The Bandgeek Mafia) begannen dann auch erst gegen 21:15 Uhr und waren noch dazu eher… naja… schlecht! Weniger was die Musik betrifft, als mehr bezüglich des Gesanges - der keiner war! Ins Mikro brüllen kann ich auch und wenn’s dafür Kohle gibt, nehm ich jetzt ne Platte auf. Sorry Jungs, mein Geschmack war’s nicht.
Vor einer Woche auf einem späten Donnerstagabend hörte ich die dänische Band “Volbeat” zum ersten Mal auf YouTube.
“Verdammt, die rocken,” dachte ich, “guckste doch mal, wann die irgendwo in Deutschland spielen… Oh. Morgen Abend.”
Ich entschloß mich spontan, am Freitag früher Feierabend zu machen und den Civic zu satteln.
Ok, was brauchte ich? Mein Zelt, Bier, Fertigfrikadellen, ein paar Klamotten zum Wechseln, ‘nen Gartenstuhl und meine Akustikgitarre.
Also dann: Auf nach Viersen, zum “Eier-mit-Speck“-Festival.