Gorilla Biscuits, Köln Kantine, 4.10.2007

Sich mit mitterweile doch knapp über 18 Jahren nochmal 2 Stunden ununterbrochen slamdancend in einem Circle Pit aufzuhalten rächt sich am nächsten Tag doch ein wenig. Viel mehr als die Knochen leiden allerdings die Ohren unter dem gestrigen Abend. Diese verweigern nämlich heute größtenteils ihren Dienst. Wenn man sich eine Blechbüchse übers Ohr stülpt und davor ein Kissen hält und dann noch das Fiepen eines kaputten Fernseher hinzufügt ist man nahe an meinem heutigen Hörerlebnis. Alles aber scheißegal, wenn man ich mir vor Augen halte wie geil Gorilla Biscuits gestern Köln gerockt haben. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass die Herrschaften auf ihre alten Tage nach der Reunion noch dermaßen abgehen. Nachdem die ebenfalls coolen Waterdown nach dem letzten Lied grinsend zur Menge meinten “Ihr habt keine Ahnung was hier gleich abgehen wird” ging es dann auch tatsächlich mit dem ersten Akkord gleich zur Sache.

Ich hatte mich direkt vor der Bühne positioniert um ein wenig mitzugehen. Dass ich dann bis zum Ende und selbst fast am Ende drinblieb ist der grandiosen Performance geschuldet. Ein Hit nach dem anderen wurde abgefeiert, endloses Stagediving und Crowdsurfing begleitete den Gig. In den ersten Reihen mussten wir viel Einstecken. Von außen gesehen muss die Menge ausgehen haben wie bei den legendären Gigs in den 80ern. Da wurde ohne Rücksicht auf eigene oder fremde Verluste mit den Stiefeln voran in die Menge gesprungen oder gleich mit Salto rückwarts darauf vertraut dass man schon aufgefangen wird. Die Band feuerte die Menge immer wieder an, forderte zum Shouting auf und gab 300 Prozent. Nachdem der Spuk um Mitternacht vorbei war drängte sich eine seltsam entrückt grinsende Masse aus dem Venue hinaus, in dem sich GB ganz nach Sraight Edge Manier Rauchverbot erbeten hatten und das Bild der verschwitzten und dampfenden Menge an der Haltestelle hätte man eigentlich fotografieren müssen. Für ein detailliertes Review fehlt mir der Abstand, soviel steht aber fest: für mich war es das intensivste und auf jeden Fall auch lauteste Konzert 2007 und der Beweis, dass Hardcore auch im Dritten Jahrzehnt seiner Existenz immer noch groß und lebendig ist.

Von punkross am 05. Oktober 2007 um 14:52 verzapft!
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