
(Dieser Beitrag ist zuerst auf pasqualle.com erschienen)
Die Nadel des Plattenspielers läuft brav in den Rillen des schwarzen Vinyls. The National’s neuste Veröffentlichung »Boxer« liegt auf dem Teller. Ich liege im Bett, das Licht ist schon aus, und lausche dem tiefen Bariton von Matt Berninger. Diese ruhige, geradezu andächtige Musik, bietet die optimale Atmosphäre um ein spektakuläres Konzerterlebnis Revue passieren zu lassen. auch vergleiche ich die Live-Perfomance mit den Klängen auf Platte.
Wenige Stunden zuvor betrat ich einen Tunnel vollgefüllt mit menschlichem. Obwohl es erst zwei Minuten nach neun Uhr war, saß Hayden, Vorband und langjähriger Freund von The National, schon an seinem Klavier auf der Bühne. Um seinen Hals hing die ganze Zeit eine Mundharmonika. Ich musste daran denken wie jemand mal sagte, dass das Klavier das “neue populäre Instrument im Indierock und -pop” wäre. Der kanadischer Singer/Songwriter verbreitete mit den maximal zwei gleichzeitig gespielten, meist akustischen Instrumenten hochwertigen Folk/Country Sound in dem Tunnel. Ohne zu wissen wie ekstatisch der Abend noch werden würde, hielt ich Hayden’s Musik für eine saubere Grundlage für nachfolgendes.
Wenn das mal alles so einfach wär…
Die Ärzte nennen sich nicht ohne Grund die beste Band der Welt. Was wir gestern in der Olympiahalle in München erleben durften war ein Genuss der Extraklasse… aber fangen wir von vorne an:
Das Konzert begann um zehn nach Acht und nach gerade mal zwei Liedern ging das Licht an und die Band hörte auf zu musizieren.
Was war passiert?
Ganz einfach, das Gedränge vor der Bühne war so groß geworden, dass die Bolzen, die das Frontgitter halten sollten gebrochen waren und sich sieben Securitymenschen nun mehreren Tausend Fans entgegenstellen mussten. Die Veranstaltung wurde also unterbrochen und eine Dame machte der Menge klar, dass man erstmal zehn Minuten brauchen würde um das Problem zu beheben. Die nun buhende Crowd wurde mit den Worten “Dafür bekommt ihr später mehr Show als alle bisherigen Besucher zu sehen” entschädigt und nach insgesammt wohl knapp zwanzig Minuten ging es tatsächlich weiter.
Wurden anfänglich einige Stücke aus dem neuen Album gespielt (Himmelblau, Lied vom Scheitern) wurden bunt gemischt auch richtig alte Klassiker ins Programm genommen (Elektrobier, Anneliese Schmidt, El Cattivo) und ich habe sämtliche Lieder, die ich hören wollte auch zu hören bekommen (und das waren einige).

In einem Wort - geil!
Erstmal zur Vorband: Diese bestand aus drei Personen (Drummer, Bassistin, Sänger/Gitarrist) und hört auf den Namen Navel. Mir persönlich hat die Band nicht wirklich gefallen, was allerdings nicht an ihrer Musik lag, denn die war definitiv rockig und laut - also so, wie sie eigentlich sein soll. Also fast. Manchmal verlor die Musik allerdings den Faden und wirkte dadurch wirr. Zu wirr! Der Sänger der Band erinnerte stark an einen Kurt Cobain - zumindest optisch - und gab sich alle Mühe wie dieser zu wirken… was kläglich scheiterte. Ach und nochwas Junge - brüllen ist nicht alles. Und andauernd “Baby, Baby” brüllen schon garnicht. Die Bassistin kündigte eines der letzten Lieder dann mit “Und jetzt kommt ein Lied zum Kotzen” an und dann spielte die Band “Vomitation”. Nunja, wie soll ich sagen?!? Treffender Titel!
Nun aber mal zum eigentlichen Ereignis - den Queens of the Stone Age! Josh Homme und seine Jungs haben den Löwensall aber mal definitiv gerockt. War ich auch bisher kein all zu großer Fan der Band, bin ich nach dem Konzert restlos begeistert. Super Sound hatt´n wa! Rund 500 Leute tobten, sprangen und tanzten vor der Bühne und auf der Galerie und wäre es nicht so scheiße heiß gewesen, hätte ich vielleicht etwas weniger Fremdschweiß abbekommen… aber hey, that´s rock´n´roll, da wird schonmal wild transpiriert.

Kilians trafen auf entspannte und vom Support Act bestens in Stimmung gebrachte 250 Leute im ausverkauften Cube. Die Band hat ihr Programm runtergespielt. Das Publikum war nicht enttäuscht und ließ den Sänger sogar gewähren, als er ständig auf unbeholfen anmutende Weise versuchte, Dieter Bohlen lächerlich zu machen. Wie war’s sonst? Dunkel.

Sie kämen immer ganz gut an beim Publikum, meinte Frontmann Alexander Zwick nach dem Auftritt von Auletta. Den Nerv der Zuhörer im Paderborner Cube zu treffen, war jedenfalls kein Problem für die vier Musiker aus Mainz. Als Vorgruppe der Kilians trafen sie schließlich auf Leute, die eingängige Indie-Stücke zu schätzen wissen.
Mal wieder einer von der neuen heißen French House Connection in Hamburg. Nach Justice (Myspace Geheimevent) und Soulwax und sicher auch mal Digitalism nun also SebastiAn mit einem DJ Set in Hamburg am Start.
Nachdem ich mich über den Neidklub als Location schon in meinem Beitrag zum Soulwax Konzert ausgelassen habe, möchte ich hier nur auf das Musikalische eingehen. Und darum geht es eigentlich ja nur.
Um halb zwei gestartet, die Crowd wurde mit einem anständigen Set aktueller elektronischer housiger Scheiben warm gemacht, legte SebastiAn los und ließ die folgenden dreieinhalb Stunden nicht mehr locker. Ein Remix jagte den nächsten, alles natürlich schön noisy, gerne mal übersteuert und immer schön bretthart. Die PA ist im Neidklub aber auch echt fett und spielt gut mit.
Nach der Hälfte gabs ne Pause, warum auch immer. Es schien fast so, als sei das Set vorbei, aber nach zwei unmotiviert gespielten Tracks gings noch viel härter weiter und wer nicht tanzte, der musste wohl gerade im Pullunder, doppelten Polohemd oder Rollkragenpulli irgendwelche aufgebretzelten Frauen mit viel zu teurem Alkohol klar machen.
Anfangs war ich ja nur bedingt begeistert von der neuen Konsens-Band für das linksalternative Bio-Bürgertum. Und auch wenn ich mit der Zeit durchaus Gefallen an der Neon Bible fand, ich hatte durchaus Bammel vor dem Arcade-Fire-Konzert gestern in der Berliner Columbiahalle. Der orchestrale Sound geht mir ganz stimmungsbedingt völlig unterschiedlich ins Ohr. Der kann immer noch auch mal nerven. Und was, wenn die zehn Musiker nicht harmonieren? Was, wenn der Sound Schrott ist?
Die Vorband ließ Schlimmes befürchten. Das Schlagzeug viel zu laut, der Gesang im Brei der Klänge untergehend. Ich hätte Wild Light, diese folkige Daueranleihe bei den Konsensbands der 1990er (R.E.M., U2, a-ha) auch bei gutem Sound wohl nur ok gefunden, aber so war’s halt …naja… irgendwie war’s egal.
Vor 3 Tagen habe ich das Konzert von Fish in Dudelange besucht. Ort des Gigs war die zu einem regionalen Kulturzentrum umfunktionierte stillgelegte Industriehalle “Op der Schmelz” am Ortsausgang Richtung französische Grenze.
Für mich war es das zweite Fish-Konzert, nachdem ich bereits vor 10 Jahren die Sunsets On Empire Tour in der gleichen Ortschaft, damals jedoch im lokalen Sportzentrum erleben konnte. Der 31. Oktober ist jedoch nicht der 14. Mai und eine leer stehende Industriehalle ist keine ausgestattete Mehrzweckhalle, so dass der unangenehmste Faktor des Abends die niedrige Temperatur war.
Da wir bereits kurz vor halb acht ankamen, Fish jedoch erst gegen neun auf der Bühne erschien, hatte die Kälte genug Zeit, wenig bewegungswillige Konzertbesucher noch steifer zu machen. Daran vermochte auch die zwar stimmgewaltige, jedoch nur mit einer akustischen Gitarre ausgestatteten Vorgruppe Vorsängerin Amy Speace eine halbe Stunde lang nichts zu ändern.
Fish und seine Band heizten den Fans vielleicht gerade deshalb sofort mit z.T. hardrockigen Klängen ein. Das Konzert der Clutching At Stars Tour versprach einen Mix von alten und neuen Stücken, wobei die (richtig) alten von Clutching At Straws, dem letzten von Fish als Frontmann von Marillion gesungenen Album, die (richtig) neuen vom aktuellen Werk 13th Star stammten.