Guck’ dir DJ Tomekk an. In zwei Jahren würden wir dann vielleicht auch Kakerlaken fressen. Deswegen hören wir auf. [Quelle]
Spandaus Hip-Hop-Export Icke & Er ist vor zwei Jahren mit “Richtig geil” im deutschsprachigen Internet bekannt geworden. Zusammen mit DJ Dasg (sprich Di Jäi Das Dschi) wurden sie von Four Music unter Vertrag genommen, nahmen das Album “Mach Et einfach” auf und gingen auf Tournee. So weit, so normal.
Icke & Er gingen aber nicht ins Fernsehen. Sie sprachen nur sporadisch mit der Presse. Sie ließen nicht zu, dass die Medien hinter die Schnurrbärte der Beiden schauen konnte. Sie wollten ihre Ruhe haben und einfach nur Musik machen. Mit schlecht recherchierten Zeitungsartikeln und Kopfgeldern machten die Medien Jagd auf die beiden - auf der Suche nach der Exklusivstory hinter dem Phänomen Icke & Er.

Also zogen Icke & Er die Konsequenzen aus ihrer Unlust, ein Medienthema zu sein und gingen auf Tour - auf Abschiedstour um genau zu sein. Ihre erste und einzige Tour führte sie in knapp zwei Wochen in 15 Städte, darunter Zürich, Düsseldorf, Köln, Nürnberg, Magdeburg und eben Berlin.
Das Berliner Konzert wurde kurzfristig vom Frannz- in den Fritz-Club verlegt, da der Andrang nach Tickets unerwartet hoch war. Selbst an der Abendkasse gab es keine Restkarten mehr, so dass vor dem Einlass sogar ein rudimentärer Schwarzmarkt blühte.
Ich kam leider etwas zu spät in die Halle, denn Icke & Er spielten bereits ihren dritten Song. Icke hatte die Menge von Anfang an im Griff und überbrückte die Pausen zwischen den Songs gekonnt durch kurze Anekdoten oder Publikumsanimation. “Er” stand die ganze Zeit seelenruhig hinter seinem Pult und kümmerte sich um die Beats. DJ Dasg sorgte an den Turntables für die Hip-Hop-Atmosphäre der Show.
Das bunt gemischte Publikum - zwischen 10 und 70 waren alte Jahrgänge vertreten - verbreitete eine Stimmung in der Halle, über die sich auch etablierte Hip-Hop-Acts ein Loch in den Arsch gefreut hätten. Die Konzertbesucher waren textsicher und willens, jede Publikumsbeteiligung gern mitzumachen.
Icke & Er spielten insgesamt 17 Lieder. Darunter waren auch ein paar Tracks, die noch nicht auf dem Album vertreten waren (”Multiplizieren”, Sogar Icke”) und vielleicht sogar noch auf irgendeine Art veröffentlicht werden. Auffällig waren die Kameraleute, die die ganze Zeit über gefilmt haben. Es kann also gut sein, dass das komplette Konzert in Kürze im Netz auftaucht.
Mein erstes und gleichzeitig letztes Icke&Er-Konzert war ein tolles Erlebnis. Die drei Jungs auf der Bühne spielten ihre Rollen perfekt und der Spaß, den sie hatten, ist wunderbar auf das Publikum übergesprungen. Auch wenn sie sich unter ihren Kapuzen und hinter den Pornobrillen und Bärten versteckten, kamen sie viel echter rüber als viele andere Musiker und Künstler, die, ausgestattet mit Imageberatern und Management, nur als Produkt eines Plattenlabels auf der Bühne stehen.
Ihr Entschluss, nach nur einem Album und einer Tour aufzuhören, ist schade für die Fans, die sie in der kurzen Zeit für sich gewinnen konnten. Ich kann Icke & Er aber sehr gut verstehen, dass sie es leid sind, sich vor den Medien verstecken zu müssen, nur weil sie nicht dazu bereit sind, ihr Privatleben in die Öffentlichkeit zu tragen. Das Konzert war unbestreitbar der ideale Abschluss einer kurzen und ereignisreichen Musikerkarriere.
Der nette Herr Lobo (übrigens allein für mindestens zwei Prozent der iPhone-Umsätze
in Deutschland verantwortlich) lud mich nach dem Konzert noch auf die After-Show-Party ein. Jeder Teilnehmer der Party musste aber vor dem Betreten der heiligen Hallen einen von Four Music ausgearbeiteten, achtseitigen Knebelvertrag mit seinem Blut unterschreiben, dass keinerlei Informationen die urig eingerichtete Backstage-Kantine verlassen dürfen. Daher kann ich Euch leider nicht sagen, wie das üppige Buffet aussah, welche Biersorten gereicht wurden und wer Icke & Er denn nun wirklich sind. Dieses Wissen werde ich mit ins Grab nehmen.
Tracklist des Konzertes:
- S.P.A.N.D.A.U.
- Manchmal Jeht Et
- Wer Ick Bin
- Er Macht Den Beat
- Girlfriend Nr. 4
- Ihr Kennt Uns Nicht
- Malibu
- Multiplizieren (Video)
- Keen Hawaii
- Sogar Icke
- Berliner Girls
- Tachchen, Tschüs
- Berlin
- S.V.B.
- Icke
- Richtig Geil
- Exit Strategie
[Alle Fotos: flickr]
[Dieser Beitrag ist ursprünglich für “Die Straßen von Berlin” verfasst worden.]