Die meisten haben noch nie etwas von Niels Frevert gehört. Und auch der Hinweis „Der Sänger von Nationalgalerie“ hilft kaum jemandem weiter. Schade eigentlich, denn was der nette Barde aus Hamburg so alles zu singen und sagen hat, ist mehr als hörenswert. Drum hab ich auch nicht lange gefackelt als ich erfuhr, dass er mit Band im Frankfurter Sinkkasten aufspielt, und mir eine Karte besorgt.
Gegen viertel vor Neun ging es los mit der Vorgruppe, der Paul Dimmer Band. Nun ist der Sinkkasten nicht unbedingt bekannt für optimale Akustik, aber selbst mein Laienohr hat schnell gehört, dass der Klang doch einiges zu wünschen übrig lässt. Alles war etwas „dröhnig“ und der Gesang war wahrscheinlich nur für Eingeweihte zu verstehen. Ich zumindest, der ich Paul Dimmer vorher noch nicht kannte, habe leider nur sehr wenig der Texte verstanden. Schade. Nicht nur weil das, was man verstehen konnte, sehr viel versprechend klang, sondern auch weil Niel Frevert vor der Türe sagte, dass er Paul Dimmer wärmstens empfehlen kann.
Gegen 21:30 hörte Paul Dimmer auf und knappe 20 Minuten später stand Niels Frevert auf der Bühne – mit Schlagzeuger, Bassist, Gitarrist und Keyboarder (jetzt aber ohne den Norwegerpulli den er vorher trug) und eröffnete mit meinem absoluten Lieblingslied der neuen CD: „Baukran“. Die ca. 150 Leute rückten der Bühne etwas näher und waren wahrscheinlich ebenso froh wie ich, dass der Sound deutlich besser war, als bei der Vorband. Die Studioversion von „Baukran“ glänzt zwar mit einem großartigen Streicher Arrangement, aber auch ohne eine einzige Fidel auf der Bühne verlor das Lied nichts an Klasse.
Was folgte war ein prallvolles Programm mit allen Liedern der neuen CD und einigen alten Schmankerln. Ob „Aufgewacht auf Sand“, „Du kannst mich an der Ecke rauslassen“, „Niendorfer Gehege“ oder „Der Typ der nie übt“ – jedes einzelne Lied wurde sauber gespielt und gesungen und überzeugt voll und ganz. Die ebenso wirren wie liebenswerten Texte seiner Lieder gewannen durch die Live Atmosphäre zumeist noch an Intensität und wurden sicher auch von denen gut verstanden, die die neue CD noch nicht kannten. Ganz groß auch: Das Cover des Hildegard Knef Liedes “Ich möchte mich gern von mir trennen”. Niels lockere Art mit „Worten und Wörtern“ umzugehen ist ebenso charmant wie eigen und sein Gesang kann sich – im Gegensatz zu manch anderen – auch live wirklich hören lassen.

Textprobe gefällig? Gerne:
“Die Gedanken springen herum
in der Dämm’rung – über’n Freibadzaun.
Komm’n geflogen, klopfen an
die Decke – vom 5 Meter Turm
wie heißes Popcorn.“
aus „Waschmaschine“
oder
“Und eine Ewigkeitkeit scheint so lange
wie eine Einwegfeuerzeugstichflamme”
aus „Einwegfeuerzeugstichflamme“
oder
“Großer Künstler darin zu verdrängen
die Worte zum Papier ….. Container zu bringen.”
aus “Der Typ der nie übt”
Neben den Liedern der neuen CD spielten Niels Frevert und Band auch einige Songs der beiden ersten CDs, darunter auch all die, die ich besonders mag: „Glückskeks“, Wann kommst du vorbei“, „Seltsam öffne mich“ und vor allem “Einwegfeuerzeugstichflamme”.

Der nicht frenetische aber dennoch sehr fordernde Applaus lockte Niels noch zwei Mal auf die Bühne und als er „Du musst Zuhaue sein“ als letztes Lied spielte, wusste jeder im Publikum, das es nun wohl leider vorbei ist. Ich hab mir dann noch ein T-Shirt und die neue Deluxe Ausgabe der ersten CD gegönnt und ging mit dem Gefühl nach Hause, ein richtig schönes Konzert besucht zu haben.
Hier also zwingend der dringende Aufruf an alle Freunde der Deutschen Musik jenseits der Massenware: Ihr Tomte, Kettcar, b-ebene, Blumfeld und Erdmöbel Fans – checkt die Termine von Niels Frevert. Es lohnt sich.
Der Beitrag ist zuerst auf Blogwinkel.de erschienen - mehr Bilder gibt es hier.
[…] musik> Es gab und gibt immer auch Musiker, Bands oder Orchester in der > > > näheren Umgebung, deren Konzerte man besuchen kann. Warum soll denn > > > alle Welt das gleiche hören? > > > > Sollte? > > Aber ist es nicht schön, dass man kann, wenn man will? > > Nein. > > Das Problem ist nämlich, daß einem seitens der MI eingeredet wird, > daß man das wolle. > Musiker X, Lied Y oder Show Z werden mit gigantischem Werbeaufwand > weltweit als […]
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