Vielleicht kann man über ein Sisters-Konzert 2006 ja auch nur das gleiche schreiben wie über ein Sisters-Konzert 2003 oder irgendeines davor. Vielleicht kann man immer wieder nur betonen, daß es diese “Band” schafft, seit deutlich über 15 Jahren ohne neu erschienene Tonträger immer wieder auf Welttournee in quasi-ausverkauften Hallen zu spielen. Vielleicht könnte man ja auch mal erwähnen, daß der Altersdurchschnitt im Publikum dann offenbar bei knapp 30 Jahren liegt, und daß unter den Kerlen im Publikum auffällig viele mit manischem (aber doch irgendwie entspanntem) Fanboy-Blick und mit defektem Haarschnitt sind, die außerdem noch den Sisters-Stern bzw. das Logo auf den Oberarm tätowiert haben. Vielleicht kann man dann auch immer wieder erwähnen, daß Andrew Eldritch auch 2006 noch im St.-Pauli-Shirt, mit Sonnenbrille im Gesicht und Kippe in der linken Hand in einer “wall of fog” ™ auftritt, so daß sich die Bühnendeko auf sehr viel buntes bzw. verschiedenfarbiges Licht, Strobo und eben dramatisch viel Nebel beschränkt, aus dem heraus man hin und wieder den Meister oder die eher unauffälligen Gastmusiker auftauchen sieht. Dann müßte man auch all die anderen Konzert-Review-Klischees durchmachen, beispielsweise das Nicht-auslassen sondern eben “Erst-recht-spielen” von eigentlich ja totgenudelten Hits wie “Temple Of Love”, die aber im Konzertrahmen eben dann doch wieder funktionieren. Oder wie begeisternd die Menge der alten Säcke ausflippt, sobald die ersten Töne von “Alice” erklingen. Und daß bei einem Sisters-Konzert die ungeschriebene Regel, nie ein Shirt jener Band zu tragen, die gerade auftritt, komplett unbekannt und somit ungültig zu sein scheint.