Billy Bragg hat uns gestern auf der Popkomm nicht nur eine Nachricht von Woody Guthrie übermittelt, sondern auch vor der, seiner Meinung nach, derzeit größten Bedrohung gewarnt, Zynismus /play/, der auch zur Gleichgültigkeit führt.

cc BB
Ich war überrascht, daß es ein nicht so volles Billy Bragg Konzert war.
[Andere sprechen vom Gegenteil. Ihr hättet weiter nach vorne kommen sollen.]
Das Publikum setzte sich aus wenigen frischen Volljährigen und vielen Mehrfachvolljährigen zusammen.
Ein 49jähriger, auf dem Weg zu einem Auftritt mit lauter Musik von Billy Bragg schien solch eine Attraktion für ein Kamerateam gewesen zu sein, daß er dazu interviewt wurde. Weshalb er hierher komme, was er an Billy Bragg so möge und weshalb er diesen denn so attraktiv und charismatisch findet. Als die Kamera dann aus war, verabschiedete er sich bei der Reporterin mit “I am Billy Bragg”.
Diese Geschichte, pointiert erzählt und später noch als eine Textzeile in “Sexuality” eingebaut, begleitete den einstündigen Auftritt.
Bragg alleine, mit Gitarre auf der Bühne, spielte drei neue Stücke und bediente die Fans mit Klassikern aus seinem langen Backkatalog [nudge-nudge!]
Er erzählte, was ihn als 19jährigen damals dazu brachte, erstmalig politisch zu agieren; gegen Rassismus.
Im Zimmer herumlungern, gute Musik hören und gut Bier trinken.
Das Wohnzimmer war ein Fremdes, die Musik war live und das Bier war frei.
Ich war auf einem Wohnzimmerkonzert mit Crazy for Jane, dem 7 Wochen alten Duo “Bobby and Blumm” und Jens Friebe.
Den Rahmen bilden 3-4 Lieder und jeweils zwei Sets eines jeden Auftretenden, getrennt durch eine Raucher- und Getränkenachschubhalbzeit. Alles bei jemandem zu Hause, der, oder in diesem Falle die, ein größeres Wohnzimmer hat, in das mindestens 20 Klappstühle passen.
Die charmante Organisatorin scheint alles im Griff zu haben, was ein halböffentliches, teilakustisches Konzert bedarf.
Sogar die Künstler bedanken sich bei der Gastgeberin und er gesteht, im Bad den Drogerieschrank benutzt zu haben.
Solch ein Minigig ist super, wenn die passende Mischung stimmt. Die happy and sad Musik der frisch “beplattetten” Crazy for Jane ließ viele Sitztänzer swingen. Anschließend die sehr ruhige, liebliche, leise Stimme der Sängerin Bobby, oder Blumm?, die von sphärisch und gleichzeitig rhythmischer Guitarre begleited wurde. Ich war leider von den Augen abgelenkt; in dunkle tiefe Seen gezogen. Und Jens Friebe war Jens Friebe.

Crazy for Jane
würde ich gerne brechen, insbesondere wenn daily ivy:
“Queen & Paul Rodgers ist Englands Antwort auf De Bläck Fööss mit Kafi Biermann.” schreibt.
Der Vergleich ist schon nahe dran und auch ich habe bei 3sat ausgeschaltet, aber live funktionierte die Blendung relativ gut.
Ich habe damals ein gutes Konzert einer Queen Coverband gesehen, inclusive der peinlicher Solonummern von Roger Taylor und Brian May, dessen Red Special, für £17.50, mich damals für Rockmusik gewann. Der spezifische Klang berührt mich noch immer und löst in mir warme Gefühle aus.
Das Konzert konnte also nicht schlecht werden. Auf einmal die alten Herren in zu engen Hosen, mit weißen Walla-walla-Hemden im Fernsehen zu sehen, war wahrlich nicht schön.
Ich bleibe lieber bei der akustischen Queen und höre mir jetzt ein paar Galilieos an und gedenke Freddie mit Simone Borowiaks Nekrolog “Hessen nimmt Abschied von Freddie Mercury”:
Hessen nimmt Abschied von Freddie Mercury