Um es kurz zu machen: Wer sagt, dass es ihm bei Musik hauptsächlich um Musik ginge, der sollte sich Battles live anhören. Manchmal dient Musik ja dazu, einen Stil zu pflegen, einer Gefahr, die auch bei Battles besteht: experimentelle Musik für Kunstinteressierte zum Beispiel. Aber Battles machen Musik nicht mit Anspruch, sondern mit Muskelkraft.

Battles gehören zu den Musikern, die experimentieren, dekonstruieren, komprimieren, expandieren und dabei alles andere als anstrengend sind. Man muss kein Fan ausgefallener Musikstile sein. Ganz im Gegenteil klingt das alles so selbstverständlich, als hätte es niemals irgendwelche Musikstile gegeben. Zu ihrer Musik möchte man mithopsen und den Kopf extatisch schütteln und merkt gar nicht, wie sie gerade dabei sind, mit Kettensägen den Vergnügungspark in Schutt und Asche zu zerlegen. Und ja, Battles passen auch in ein DJ-Set (z.B. im Mix von Diplo bei pitchforkmedia).
Schon bei den Studioaufnahmen erkennt man das Potential, das in ihnen steckt und merkt auch, wie künstlerisch und eingezwängt das Ganze “auf Platte” klingt. Deshalb habe ich mich auf dieses Konzert richtig gefreut und sie haben meine Erwartungen weit überschritten.
Als ich an dem Abend zu Yo La Tengo ging, kannte ich nur fünf Alben (von dreizehn) und das aktuelle gar nicht. Ich wusste nur, dass sie erstaunlich leise Balladen, minutenlange Soli und dreckigsten Rock spielen können. Ich hatte tatsächlich Bedenken, dass es langweilig werden könnte und befürchetete einen Saal mit Bestuhlung. Ich ahnte, dass Unterhaltung nicht ihr Ding ist (das Design ihrer Website ist hausgemacht, es gibt keine schicken Foto-Shootings, ihre Cover sind nicht gerade besonders ansprechend). Yo La Tengo sind eine Rockband und meiner Meinung nach eine der besten.

Sie spielten an dem Abend Songs aus allen möglichen Alben und wechselten häufig die Instrumente. Ihr großes Repertoire und die wechselnde Instrumentierung brachten dann auch die nötige Abwechslung.
Sie sind sicher keine einfache Band, eben weil sie kein Konzept haben, weil sie ihre Musik so spielen, wie sie es für richtig halten und wies es ihnen zu dritt möglich ist. Wenn die Schlagzeugerin, Georgia Hubley, nach vorne kommt, um zu singen, dann fehlt natürlich irgendwo ein Instrument. Das ganze wird unscheinbar und still vorgetragen, da wird weder eine Un-Plugged Version draus gemacht, noch ein künstlicher Klangteppich drübergelegt, jeder spielt das, was er kann und was nötig ist, um die Musik zum Tragen zu bringen. Zum Tragen, weniger zum Überschwappen.