Mal wieder einer von der neuen heißen French House Connection in Hamburg. Nach Justice (Myspace Geheimevent) und Soulwax und sicher auch mal Digitalism nun also SebastiAn mit einem DJ Set in Hamburg am Start.
Nachdem ich mich über den Neidklub als Location schon in meinem Beitrag zum Soulwax Konzert ausgelassen habe, möchte ich hier nur auf das Musikalische eingehen. Und darum geht es eigentlich ja nur.
Um halb zwei gestartet, die Crowd wurde mit einem anständigen Set aktueller elektronischer housiger Scheiben warm gemacht, legte SebastiAn los und ließ die folgenden dreieinhalb Stunden nicht mehr locker. Ein Remix jagte den nächsten, alles natürlich schön noisy, gerne mal übersteuert und immer schön bretthart. Die PA ist im Neidklub aber auch echt fett und spielt gut mit.
Nach der Hälfte gabs ne Pause, warum auch immer. Es schien fast so, als sei das Set vorbei, aber nach zwei unmotiviert gespielten Tracks gings noch viel härter weiter und wer nicht tanzte, der musste wohl gerade im Pullunder, doppelten Polohemd oder Rollkragenpulli irgendwelche aufgebretzelten Frauen mit viel zu teurem Alkohol klar machen.
Als ich eins der spärlich in Hamburg verteilten Ankündigungsplakate erspähte, machte ich vor Freude fast einen Sprung. Aber nur fast, denn alles andere hätte komisch ausgesehen. Ich hob gerade Geld ab und direkt neben dem Automaten hing eins.
Die Dewaele-Brüder und Ihre Soulwax Kumpel (wenn ich sie richtig identifiziert habe, waren das Stefaan Van Leuven und Steve Slingeneyer) kommen also in die Stadt, wie geil.
Mit hohen Erwartungen betrat ich den Neidklub auf der Reeperbahn, in dem ich zuvor noch nicht war. Es ist ein relativ junger Club, hat noch nicht mal einen Lenz gesehen.
Zum warm werden hat zunächst ein DJ aktuelle Tracks aus der Kitsuné/Ed Banger Ecke aufgelegt. Es folgte ein Typ, dessen Namen ich nicht kenne, der mit Drumcomputer und anderem technischen Gebimsel ziemlich aufgedrehte Techno- und Houseklänge erzeugte. Insgesamt nett, aber die Stimmung gebremst, wenig euphorisch, man wartete schließlich auf Soulwax. Und das hinreichend lange Konzertbeginn war angekündigt mit 22:00 Uhr. Um 00:30 Uhr gings dann aber ab. Und wie. Es wurden (wie angekündigt) alte Remixe gespielt und neue und natürlich die Tracks von der Nite Versions Platte. Dabei war es wahnsinnig beeindruckend den Vier zuzusehen, wie sie zum Beispiel Kylie Minogues “Can’t get you out of my head” live zerfrickeln, neu arrangieren und bombastisch in Szene setzten. Laut, treibend, ekstatisch. Hammergeil. So ging es immer weiter. Das tanzende Publikum außer sich, wurde immer noch mehr angeheizt, die Klänge waren ähnlich übersteuert wie bei aktuellen Justice-Auftritten, bewahrten sich aber immer noch eine gewisse Differenziertheit, die ich bei Justice vermisse. Dennoch baute sich die Klangwand aus Schlagzeug, Bass, Sythie, Soundsamples, Drumcomputer, Gesang immer weiter auf bis alles zusammen in einem Mix aus The Gossips “Standig in the Way of Control” und NY Excuse seinen finalen Höhepunkt fand. Wahnsinnig laut, wahnsinnig toll.
Danach war es leider schon vorbei. Der Auftritt dauerte etwa 70 Minuten und die Jungs verschwanden sofort und ohne Zugabe von der Bühne.
Es war ein Tipp von einem Freund: “Du, ich freu mich voll auf die Kleingeldprinzessin, die kommt auf die Fusion, da müssen wir hin!”. Die Kleingeldprinzessin ist die Sängerin von Dota & Die Stadtpiraten. Ja gut, erstmal bei Myspace reingehört klang es interessant. Witzig. Aber jetzt so livemäßig war das eher schwierig vorzustellen.
Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt und das Konzert wurde für mich eines der erinnerungswürdigsten. Das Konzerte wurde in der Dubstation abgehalten. Aber gemütlich am Feuer im Sand sitzen, Jongleuren bei ihrem Treiben zu sehen und ein wenig nette Hintergrundmusik genießen, das alles sollte hier nicht der Fall sein. Es wurde gerockt, getanzt, gejazzt, gefreestyled und gestimmt (die Gitarre von Dota, weil es so feucht und regnerisch war).
Die Sängerin charismatisch, nett, freundlich, witzig, wirkt kindlich. Man möchte sie umarmen. Ihre Texte sind intelligent, einfallsreich, bewegend, angreifend, beschuldigend, humorvoll, beschwichtigen, traurig, weltbewegend, tiefsinnig, emotionsgeladen.
Der Rest der Band (Bassist, E-Gitarrist, Schlagzeugist) ist eine Gruppe profesioneller Musiker, die der Musik keine Grenzen setzt, Wege verlässt, spielt was Spaß macht und einen Tanzen, Lachen, Genießen lässt.
Oft während des Konzerts ließ die Sängerin ihren Musikern freien Lauf, es entstand fast ein jamsessionartiges Gefühl. Man hatte wirklich den Eindruck, dass alle ebenbürtig sind und zu einem großartigen Konzert beitragen. Die Sängerin als Teil der Band und nicht als Head, der den Applaus abgreift.
Man ist ja schon gewohnt, dass aus Schweden eine Menge irrwitziger Musik exportiert wird. Und der Gedanke war es auch, der mich zu diesem Auftritt des Slagsmålsklubben gehen ließ, obwohl es naturgemäß auf der Fusion eine Menge parallel laufender Events gibt.
Es ist schwer diese Band/Kombo/Formation von sechs schwedischen jungen Typen zu charakterisieren, vor allem, wenn man vorher noch nie etwas in die Richtung gemacht hat (ist quasi mein Blog-Debut).
Es war ein energiegeladenes Konzert, die Festivalbesucher waren gut drauf und schon beim Soundcheck bei verschlossenen Vorhängen begannen viele (alle?) mit dem Kopf zu nicken und zu tanzen. Aus den Lautsprechern kam ein Klanggewühl synthetischen Ursprungs, basslastige Grundlinien, computerspielerinnernde Piep-Höhen. Was sollte man erwarten?
Als der Vorhang endlich gelichtet wurde, starteten die sechs Jungs direkt durch. Fünf davon am Synthesizer und einer an einem kleinen digitalen Drumkit. Kein langes Drumherum, ein paar nett gemeinte, vielleicht etwas schwer verständliche schwedeutsche Wörter und ab ging die Post. Die sechs droschen auf ihren Geräten herum und erzeugten eine wahnsinnige Soundkulisse, die sich irgendwo zwischen Computerspielesounds, Techno, Trance und eingängigen Popmelodien (ich konnte nach zwei Tagen alle Lieder von der Myspace-Seite wiedererkennen) bewegten.